Warum musst Du Dein Lager bewerten?
Bei der Inventur stellst Du zunächst fest, welche Vorräte tatsächlich vorhanden sind. Für Inventar und Bilanz reicht die reine Menge jedoch nicht aus. Du benötigst zusätzlich den Wert Deiner Bestände. Ein einfaches Beispiel:
Am Jahresende befinden sich 500 Stück eines Artikels in Deinem Lager. Erst wenn Du weißt, mit welchem Wert diese 500 Stück anzusetzen sind, kannst Du den entsprechenden Lagerwert bestimmen. Die Lagerbewertung verbindet deshalb Menge und Wert Deiner Vorräte.
Für bilanzierende Unternehmen ist sie insbesondere wichtig, weil Vorräte zum Umlaufvermögen gehören und in der Bilanz angesetzt werden.
Wie kannst Du Deinen Warenbestand berechnen?
Im einfachsten Fall kannst Du den Wert eines einheitlich bewerteten Bestands aus Menge und Wert pro Stück ermitteln. Die vereinfachte Formel lautet: Lagerwert = Menge × Wert je Einheit Ein Beispiel:
Du hast am Stichtag 200 Stück eines Artikels auf Lager. Der für die Bewertung maßgebliche Wert beträgt 30 Euro pro Stück. Damit ergibt sich: 200 × 30 Euro = 6.000 Euro
Der Lagerwert beträgt in diesem vereinfachten Beispiel 6.000 Euro. In der Praxis wird die Rechnung komplizierter, wenn Du identische Waren zu unterschiedlichen Preisen eingekauft hast. Dann musst Du klären, welches Bewertungsverfahren anzuwenden ist.
So kannst Du Deinen Warenbestand berechnen, ohne unterschiedliche Einkaufspreise einfach willkürlich miteinander zu vermischen.
Welche Werte sind für die Lagerbewertung relevant?
Vorräte werden grundsätzlich mit ihren Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet. Bei eingekauften Waren sind insbesondere die Anschaffungskosten relevant. Sie bestehen nicht zwingend nur aus dem auf der Lieferantenrechnung genannten Warenpreis.
Nach § 255 HGB gehören zu den Anschaffungskosten grundsätzlich die Aufwendungen, die erforderlich sind, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen. Anschaffungspreisminderungen sind abzusetzen. Bei selbst hergestellten Vorräten gelten dagegen die Vorschriften zu den Herstellungskosten.
Wichtig ist deshalb: Einkaufspreis und Bewertungswert sind nicht immer identisch. Zusätzlich musst Du prüfen, ob zum Bilanzstichtag eine Wertminderung zu berücksichtigen ist.
Welche Bewertungsverfahren gibt es?
Besonders relevant werden Bewertungsverfahren, wenn Du gleichartige Waren zu unterschiedlichen Preisen beschaffst. Angenommen, Du kaufst denselben Artikel im Laufe des Jahres mehrfach: EinkaufMengePreis je StückJanuar100 Stück10 EuroMai100 Stück12 EuroOktober100 Stück14 Euro
Am Jahresende sind noch 100 Stück vorhanden. Nun stellt sich die Frage: Aus welchem Einkauf stammen diese 100 Stück rechnerisch? Für solche Fälle kennt das Handelsrecht unter bestimmten Voraussetzungen Bewertungsvereinfachungen.
§ 256 HGB erlaubt für gleichartige Vermögensgegenstände des Vorratsvermögens insbesondere die Annahme bestimmter Verbrauchsfolgen. Relevant sind dabei FIFO und LIFO. Daneben können unter den gesetzlichen Voraussetzungen Durchschnittswerte beziehungsweise Gruppenbewertungen eine Rolle spielen.
Welches Verfahren Du verwenden darfst und steuerlich verwenden solltest, solltest Du bei Zweifeln mit Deinem Steuerbüro abstimmen.
Wie funktioniert FIFO?
FIFO steht für: First in, first out Dabei wird rechnerisch unterstellt, dass die zuerst eingegangenen Waren auch zuerst verbraucht oder verkauft werden. Für den Endbestand bleiben damit die zuletzt beschafften Waren übrig.
Nehmen wir das vorherige Beispiel: EinkaufMengePreis je StückJanuar100 Stück10 EuroMai100 Stück12 EuroOktober100 Stück14 Euro Insgesamt wurden 300 Stück beschafft. Am Jahresende sind noch 100 Stück vorhanden.
Nach FIFO wird unterstellt, dass zuerst die Bestände aus Januar und Mai verbraucht wurden. Der Endbestand besteht rechnerisch aus dem letzten Einkauf: 100 × 14 Euro = 1.400 Euro Der Lagerwert beträgt nach dieser vereinfachten FIFO-Rechnung 1.400 Euro.
FIFO beeinflusst damit, welche Anschaffungskosten im Endbestand verbleiben.
Wie funktioniert LIFO?
LIFO bedeutet: Last in, first out Hier wird rechnerisch angenommen, dass die zuletzt eingegangenen Waren zuerst verbraucht oder verkauft werden. Bei unserem Beispiel wären damit zunächst die Waren aus Oktober und Mai abgegangen.
Im Endbestand verbleiben rechnerisch die zuerst beschafften Artikel aus Januar: 100 × 10 Euro = 1.000 Euro Der Endbestand wird in diesem vereinfachten Beispiel mit 1.000 Euro bewertet. Damit zeigt sich bereits:
Dasselbe Lager kann abhängig vom zulässigen Bewertungsverfahren zu unterschiedlichen Wertansätzen führen. Das ist einer der Gründe, warum Du Bewertungsverfahren nicht beliebig wechseln oder ausschließlich danach auswählen solltest, welches Ergebnis gerade günstiger erscheint.
Was bedeutet das Niederstwertprinzip?
Bei Vorräten reicht es nicht immer aus, ausschließlich auf die ursprünglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu schauen. Vorräte gehören zum Umlaufvermögen. Für Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens verlangt § 253 HGB grundsätzlich eine Abschreibung, wenn der am Abschlussstichtag maßgebliche Börsen- oder Marktpreis niedriger als der bisherige Wertansatz ist. Ist kein solcher Preis feststellbar, ist unter den gesetzlichen Voraussetzungen der niedrigere beizulegende Wert maßgeblich.
Das bedeutet vereinfacht: Ein dauerhafter Wertverlust ist nicht Voraussetzung. Ein Beispiel: Ein Artikel wurde mit Anschaffungskosten von 50 Euro je Stück erfasst.
Am Abschlussstichtag ist für die handelsrechtliche Bewertung nur noch ein Wert von 35 Euro maßgeblich. Dann darfst Du den Bestand nicht einfach weiterhin mit 50 Euro je Stück in der Bilanz stehen lassen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen für den niedrigeren Ansatz erfüllt sind. Das Niederstwertprinzip verhindert damit eine zu hohe Bewertung des Umlaufvermögens.
Wie wirken sich Wertverluste auf die Bewertung aus?
Waren können aus unterschiedlichen Gründen an Wert verlieren. Dazu gehören beispielsweise:
- Beschädigungen
- Verderb
- technische Überalterung
- sinkende Marktpreise
- eingeschränkte Verkäuflichkeit
Ein typisches Beispiel sind saisonale Waren. Produkte, die nach dem Ende einer Saison nur noch mit deutlichem Preisnachlass verkauft werden können, haben möglicherweise nicht mehr denselben Wert wie beim Einkauf. Auch beschädigte oder nicht mehr vollständig verkäufliche Ware solltest Du nicht automatisch genauso bewerten wie einwandfreie Artikel. Die reine Frage:
„Was habe ich dafür bezahlt?“ reicht bei der Lagerbewertung deshalb nicht immer aus. Du musst auch prüfen, welcher Wert zum maßgeblichen Stichtag anzusetzen ist.
Wie beeinflusst die Lagerbewertung Bilanz und Gewinn?
Der Wert Deiner Vorräte wirkt sich auf Deine Bilanz und damit auch auf das Ergebnis aus. Vereinfacht gilt: Ein höher bewerteter Endbestand führt unter sonst gleichen Bedingungen zu einem höheren Ergebnis. Ein niedrigerer Endbestand führt entsprechend zu einem niedrigeren Ergebnis.
Der Grund liegt darin, dass nicht sämtliche beschafften Waren automatisch Aufwand des aktuellen Geschäftsjahres bleiben. Noch vorhandene Vorräte werden als Vermögenswerte in der Bilanz ausgewiesen. Ein Beispiel: Du hast Waren für 50.000 Euro beschafft.
Am Jahresende befinden sich davon noch Waren im Wert von 15.000 Euro im Lager. Diese 15.000 Euro gehören zum Endbestand. Die korrekte Bewertung entscheidet deshalb mit darüber, welcher Aufwand dem Geschäftsjahr zugeordnet wird.
Eine fehlerhafte Lagerbewertung kann dadurch auch Dein Jahresergebnis verfälschen.
Welche Fehler solltest Du vermeiden?
Bei der Lagerbewertung können bereits kleine Ungenauigkeiten größere Auswirkungen haben. Typische Fehler sind:
- falsche Mengen aus der Inventur übernehmen
- nicht vorhandene Waren weiterhin berücksichtigen
- beschädigte Ware unverändert bewerten
- unterschiedliche Einkaufspreise ignorieren
- ein ungeeignetes Bewertungsverfahren anwenden
- Bewertungsverfahren ohne sachlichen Grund wechseln
- Anschaffungskosten falsch bestimmen
- Inventurdifferenzen nicht berücksichtigen
Deshalb beginnt eine verlässliche Lagerbewertung bereits bei einer sauber geführten Warenwirtschaft. Wenn Deine Bestandsmengen nicht stimmen, kann auch eine rechnerisch korrekte Bewertung kein richtiges Ergebnis liefern. Prüfe deshalb zuerst die Mengen und anschließend deren Bewertung.
Wie unterstützt Dich orgaMAX bei der Lagerbewertung?
Mit orgaMAX kannst Du Deine Lagerbestände laufend verwalten und Lagerbewegungen nachvollziehen. In der Lagerbestandsliste siehst Du unter anderem den aktuellen Bestand, den Lagerort und den hinterlegten Einkaufspreis. Aus dieser Übersicht kannst Du Inventurlisten erzeugen und Lagerbestände bewerten.
orgaMAX unterstützt außerdem eine Lagerbewertung zu einem festgelegten Stichtag. Dadurch kannst Du Bestände nicht nur zum aktuellen Zeitpunkt betrachten. Für Deine laufende Warenwirtschaft werden Bestände bei entsprechenden Warenbewegungen aktualisiert. So hast Du eine bessere Datengrundlage für Inventur und anschließende Bewertung.
Die Software unterstützt Dich damit bei Bestandsführung und Lagerbewertung. Welche handels- und steuerrechtliche Bewertungsmethode für Deinen konkreten Jahresabschluss anzuwenden ist, solltest Du davon getrennt betrachten und bei Bedarf mit Deinem Steuerbüro abstimmen.
Fazit: Lagerbewertung macht aus Beständen bilanzierbare Werte
Bei der Lagerbewertung verbindest Du die tatsächlich vorhandenen Mengen mit den richtigen Wertansätzen. Die Inventur liefert Dir dafür zunächst die Bestände. Anschließend bestimmst Du anhand der geltenden Bewertungsregeln ihren Wert.
Besonders wichtig wird das bei unterschiedlichen Anschaffungskosten oder gesunkenen Werten. Bewertungsverfahren wie FIFO oder LIFO können unter den jeweiligen Voraussetzungen dabei helfen, gleichartige Vorräte zu bewerten. Eine nachvollziehbare Bewertung sorgt dafür, dass Deine Vorräte korrekt in die Bilanz einfließen und Dein Gewinn nicht durch falsche Lagerwerte verzerrt wird.




